Schutz Ihrer Privatsphäre bei Protesten: Ein Leitfaden zur sicheren Telefonnutzung

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Immer häufiger kommt es zu Massendemonstrationen, bei denen Aktivisten und Bürger gleichermaßen ihre Mobiltelefone nutzen, um Ereignisse zu dokumentieren, Aktionen zu koordinieren und Informationen auszutauschen. Diese Bequemlichkeit birgt jedoch Risiken: Strafverfolgungsbehörden und Regierungsbehörden greifen aktiv auf Telefondaten zurück, um Demonstranten zu überwachen und abweichende Meinungen zu unterdrücken. Dieser Leitfaden beschreibt praktische Schritte zur Minimierung Ihres digitalen Fußabdrucks bei der Ausübung Ihres Versammlungsrechts.

Die wachsende Bedrohung für die Daten von Demonstranten

Jüngste Vorfälle, darunter die umstrittenen Erschießungen von Renee Good und Alex Pretti in Minneapolis, haben die Rolle mobiler Technologie bei Protesten deutlich gemacht. Gleichzeitig weiten die Behörden ihre Überwachungstaktiken aus. Das FBI hat sogar mit Untersuchungen zu verschlüsselten Messaging-Apps wie Signal gedroht, was das breite Spektrum der Datenerfassungsbemühungen zeigt. Das Telefon zu Hause zu lassen bleibt die sicherste Option, ist aber oft unpraktisch. Wenn Sie Ihr Gerät mitbringen möchten, treffen Sie diese Vorsichtsmaßnahmen.

Grundlegende Sicherheitsmaßnahmen

Der Schutz der Daten Ihres Telefons erfordert einen mehrschichtigen Ansatz. Stellen Sie zunächst sicher, dass Ihr Gerät sicher verschlüsselt ist. Die meisten modernen Smartphones tun dies automatisch, wenn ein Passcode festgelegt wird. Verwenden Sie einen sicheren, zufälligen Passcode (8–12 Zeichen), um einen einfachen Zugriff zu verhindern, falls das Gerät verloren geht oder beschlagnahmt wird.

  • iOS: Einstellungen > Face ID (oder Touch ID) und Passcode > Passcode einschalten. Überprüfen Sie die Verschlüsselung unter „Datenschutz ist aktiviert“.
  • Android: Einstellungen > Sicherheit und Datenschutz > Geräteentsperrung > Bildschirmsperre. Suchen Sie nach „Verschlüsselung und Anmeldeinformationen“, um die Datenverschlüsselung zu bestätigen.

Deaktivieren Sie als Nächstes die Ortungsdienste, um die Ortung per GPS zu verhindern. Dazu gehört auch, zu verhindern, dass Standortmetadaten in Ihren Fotos gespeichert werden.

  • iOS: Einstellungen > Datenschutz und Sicherheit > Ortungsdienste > Kamera.
  • Android: Kamera-App-Einstellungen – suchen Sie nach „Standort speichern“ oder ähnlichem und schalten Sie es aus.

Umgehen biometrischer Scans

Biometrische Authentifizierung (Fingerabdrücke, Gesichtserkennung) kann vor Gericht erzwungen werden. Die Verwendung eines gespeicherten Passcodes bietet eine stärkere rechtliche Grundlage, um sich dem erzwungenen Entsperren des Geräts zu widersetzen. Biometrische Entsperrfunktionen deaktivieren:

  • iOS: Einstellungen > Face ID (oder Touch ID) und Passcode > iPhone-Entsperrung deaktivieren.
  • Android: Einstellungen > Sicherheit und Datenschutz > Sperrbildschirm.

Wenn Sie unerwartet konfrontiert werden, deaktivieren Sie die Biometrie schnell und vorübergehend.

  • Android: Sperrmodus verwenden (falls in den Einstellungen aktiviert).
  • iPhone: Halten Sie „Sleep/Wake“ und „Lautstärke erhöhen“ gedrückt, bis die Energieoptionen angezeigt werden, und tippen Sie dann auf „Abbrechen“. Dadurch wird die Eingabe des Passcodes beim nächsten Entsperren erzwungen.

Reduzierung des digitalen Fußabdrucks

Minimieren Sie über die grundlegende Sicherheit hinaus die Datenübertragung. Schalten Sie Bluetooth aus, um die Verfolgung über Geräte in der Nähe (einschließlich AirTags) zu vermeiden. Deaktivieren Sie Mobilfunkdaten und WLAN, wenn Sie diese nicht aktiv nutzen, da selbst inaktive Verbindungen Ihren ungefähren Standort preisgeben.

Erwägen Sie, Ihr Telefon ganz zu Hause zu lassen oder für Proteste ein Prepaid-„Brenner“-Telefon zu verwenden und es anschließend zu entsorgen, um eine Rückverfolgung zu vermeiden. Achten Sie auch auf Smartwatches und andere Tracker, die Standortdaten speichern.

Beweise sicher erfassen

Verwenden Sie beim Aufzeichnen von Ereignissen die Kamera, ohne Ihr Telefon zu entsperren. Dies verhindert den unbefugten Zugriff auf Ihre Daten im Falle einer Beschlagnahmung des Geräts. Moderne Smartphones ermöglichen einen schnellen Kamerazugriff über den Sperrbildschirm:

  • iOS: Wischen Sie vom rechten Bildschirmrand oder halten Sie das Kamerasymbol gedrückt.
  • Android: Suchen Sie auf dem Sperrbildschirm nach einem Kamerasymbol oder drücken Sie zweimal die Ein-/Aus-Taste.

Seien Sie schließlich vorsichtig, wenn Sie Fotos online teilen, da Gesichtserkennungstechnologie zur Identifizierung von Demonstranten eingesetzt wird.

Fazit: Der Schutz Ihrer digitalen Privatsphäre bei Protesten erfordert Wachsamkeit und proaktive Maßnahmen. Indem Sie Ihr Gerät verschlüsseln, unnötige Tracking-Funktionen deaktivieren und die Datenübertragung minimieren, können Sie Ihre Anfälligkeit für Überwachung erheblich verringern und gleichzeitig Ihre verfassungsmäßigen Rechte ausüben.